0-20 versus 1-5 Beurteilung einmal anders

Wie bereits im ersten Bericht kurz beschrieben, läuft die Benotung im Fremdsprachenunterricht in Frankreich sehr unterschiedlich zu jener in Österreich ab.

Der erste frappierende Unterschied besteht darin, dass es keine Schularbeiten gibt, sondern viele kleine Tests, die auf einer Skala von 0-20 benotet werden. Die Gesamtnote „la moyenne“ ergibt sich aus dem Durchschnitt der Einzelleistungen. Die Lehrpersonen dürfen also alle Vokabeltests, Stundenwiederholungen etc. benoten; eine Mitarbeitsnote wie in Österreich, die sich aus Hausübungen, Teilnahme am Unterricht usw. zusammensetzt und deren Einzelleistungen nicht benotet werden dürfen, existiert nicht. Allerdings werden Hausübungen und Partizipation im Unterricht sehr wohl in die Note miteinbezogen.

Diese Tests bzw. „tâches finales“ (Endaufgaben) umfassen einerseits Vokabel, andererseits die Teilbereiche „schriftliche Kommunikation“ (Textproduktion), Hörverstehen und mündliche Kommunikation (monologisch und dialogisch). Leseverstehen und Sprache im Kontext wird hingegen nicht abgeprüft. Für jede dieser Einzelleistungen bekommen die SchülerInnen eine Note von 0-20. Für jeden Bereich muss die Lehrperson pro Trimester mindestens eine Evaluation durchführen.

Im Überblick bedeutet dies:

  • eine gesonderte Beurteilung aller Teilkompetenzen
  • eine differenzierte Benotung, die den Lernenden genau ihre Stärken und Schwäche in der Fremdsprache aufzeigt
  • viele kleine Leistungsüberprüfungen, die alle dasselbe Gewicht haben
  • regelmäßigere Leistungsfeststellungen
  • ein kontinuierlicheres Mitlernen seitens der Lernenden

 

Auch wenn diese Art der Beurteilung auf Österreich nicht 1:1 übertragbar ist, da beispielsweise Vokabelwiederholungen nicht beurteilt werden dürfen, sondern Teil der Mitarbeitsnote sind, nehme ich mir einiges davon für meinen Unterricht mit.

Zum einen gefällt mir die Tatsache, dass es keine „großen“ Schularbeiten, sondern viele kleine Teilnoten gibt. Persönlich sehe ich in den klassischen österreichischen Schularbeiten zahlreiche Nachteile. De facto machen sie immer einen wesentlichen Teil der Note aus, was für einen Teil der Lernenden zu enormem Stress führt, weil sie das Gefühl haben, ihre ganze Note hängt von diesen 50 bzw. 100 Minuten ab. Ein anderer Teil der SchülerInnen bereitet sich hingegen nur für diese punktuellen Überprüfungen vor, ohne kontinuierlich mitzulernen. Gibt es jedoch nur eine Schularbeit im Semester und zusätzlich viele kontinuierlich stattfindende Wiederholungen, nimmt dies einerseits Druck und führt andererseits zu stetigem Mitlernen, da eine einzelne Schularbeit logischerweise weniger ins Gewicht fallen kann.

Zum anderen finde ich es gut, dass die SchülerInnen Noten in den Einzelkompetenzen (Sprechen, Hören, Schreiben) erhalten, welche ihnen ihre Stärken und Schwächen deutlicher aufzeigen, als dies eine Schularbeit kann.

 

Mag. Conny Blank

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