HAPPY SCHOOL

Wenn SchülerInnen an ihrem ersten Schultag an unserer Schule in das Gebäude strömen, sind sie noch nicht einmal Teenager, wenn sie dasselbe Gebäude acht Jahre später verlassen, dürfen sie wählen, Auto fahren und voll geschäftsfähig Verträge unterschreiben. Wir begleiten sie also durch eine wichtige Zeit der Transformation ganz abgesehen davon, dass die tatsächliche Zeit, die unsere Jugendlichen in der Schule verbringen, eine in Stunden gemessen enorme Zeitspanne ist. Umso mehr erscheint es wichtig, den langjährigen Fokus von Schule auf die Defizite der SchülerInnen nun auf deren Stärken zu richten. Anknüpfend an die Sichtweisen einer humanistischen Psychologie entwickelte der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman in den 1990er Jahren eine „Positive Psychologie“, in deren Zentrum die positiven Aspekte des Menschseins wie Glück oder Optimismus stehen. Daraus entstanden in den letzten Jahren pädagogische und didaktische Konzepte, welche die individuellen Stärken und das Wohlbefinden der SchülerInnen besonders berücksichtigen. In einem einwöchigen Erasmus+ Seminar konnte ich mich mit den Ideen dieses Zugangs vertraut machen.

 

Hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung meiner Mitschrift, weitergehende Informationen finden Sie auf dieser Homepage:

https://www.authentichappiness.sas.upenn.edu/

 

Feeling good and doing good

Unsere Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten extrem verändert. Unsere Vortragende fasste es prägnant so zusammen: „In former times I hired somebody to do what I want him to do. Now I hire somebody because I don’t know how to do it.“ Das heißt, Aufgaben werden erteilt und Resultate erwartet, das Wie der Umsetzung bleibt aber offen. Diese Offenheit erzeugt Stress und fordert ein hohes Maß an Selbstvertrauen und Kreativität. Können und Wissen allein genügen nicht mehr, um den Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht zu werden. Unsere Aufgabe als PädagogInnen ist es, die SchülerInnen auf diese Situation bestmöglichst vorzubereiten. Der „Happy School“ Ansatz versucht, die positiven Emotionen zu verstärken, die Resilienz der Jugendlichen auszubauen und Achtsamkeit zu fördern. Grundannahme ist, dass glückliche SchülerInnen ihr Potenzial besser einbringen können. Glück wird an Hand des PERMA Modells definiert.

perma

 

Für die didaktische Konzeption von Unterrichtseinheiten sollten immer folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Positive Emotion z.B.: Autonomie, Anerkennung Neugier, Vertrauen, Staunen, Freude etc.
  • Beziehung z.B.: Teamwork, Austausch der Ergebnisse, etc.
  • Leistung z.B.: Ergebnis, Resultat, Anwendung, etc.
  • Teilnahme z.B.: verschiedene Rollen, Beiträge, Engagement, etc.
  • Bedeutung z.B.: Relevanz nach außen, Anwendung, Präsentation, etc.

 

Focus and Fulfillment

In der zweiten Einheit des Seminars wurden wir mit der Flow-Theorie vertraut gemacht. Das erstrebte Ziel ist, dass möglichst viele SchülerInnen bei einer schulischen Tätigkeit in diesen Flow-Modus gelangen, der zwischen Unterforderung und Überforderung angesiedelt ist. Allein das Wissen um die acht Dimensionen rund um den Flow ermöglicht PädagogInnen einen differenzierten Blick auf die Rezeption ihres Unterrichts und eine bessere Vor- und Nachbereitung der Unterrichtsgestaltung und Aufgabenstellung.

8 Dimensionen nach Csíkszentmihályi:

  • Klare Ziele und direktes Feedback
  • Gleichgewicht zwischen Herausforderung und persönlichen Fertigkeiten
  • Präsenz und fokussierte Wahrnehmung
  • Konzentration
  • Gefühl von Kontrolle
  • Verlust des Zeitgefühls
  • Selbstvergessenheit
  • Intrinsische Motivation

 

Übersetzt auf die Unterrichtstätigkeit nach Schaffer:

  • Knowing what to do
  • Knowing how to do it
  • Knowing how well you are doing
  • Knowing where to go in case of need
  • High perceived challenges
  • High perceived skills
  • Freedom from distractions

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Achtsamkeit

Dem Achtsamkeitstraining wird eine besondere Bedeutung zugeschrieben. So geht man davon aus, dass Achtsamkeit die Konzentration, die Kontrolle von Emotionen, das Glückserleben und die körperliche Gesundheit erhöht.

 

Finally …

 

“Lebenskompetenzen sind diejenigen Fähigkeiten, die einen angemessenen Umgang sowohl mit unseren Mitmenschen als auch mit Problemen und Stresssituationen im alltäglichen Leben ermöglichen. Solche Fähigkeiten sind bedeutsam für die Stärkung der psychosozialen Kompetenz.” (WHO 1994)

Zu diesen Fähigkeiten gehören nach WHO (Bühler & Heppehausen 2005, ergänzt und

verändert von JF) folgende Bereiche:

  • Selbstwahrnehmung / Entwicklung eines positiven Selbstbildes
  • Empathie
  • Fähigkeit zur Stress- und Angstbewältigung, Konfliktfähigkeit, Frustrationstoleranz, Selbstkontrolle
  • Effektive Kommunikation und Kontaktfähigkeit
  • Beziehungsfähigkeit, Beziehungen gestalten / Freundschaften aufbauen und aufrechterhalten
  • Umgang mit Gefühlen, Gefühle ausdrücken können
  • Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen
  • Konstruktive Problemlösefähigkeiten
  • Selbstbehauptung / Selbstsicherheit / Selbstwert
  • Kritisches und kreatives Denken; „Nein“ sagen können
  • Teamfähigkeit
  • Identitätsgefühl und Gefühl von Sinnhaftigkeit

 

Schule kann und muss zur Entwicklung und Förderung dieser Lebenskompetenzen beitragen. Impulse der Positiven Psychologie sind wertvoll für ein Überdenken und ein Adaptieren gewohnter Konzepte. Das Seminar „Happy School“ war für mich in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung und ich wünsche mir, dass, wenn unsere 18jährigen SchülerInnen das Schulgebäude verlassen, sie nicht nur ein positives Maturazeugnis in der Tasche haben, sondern auch diese oben gelisteten Lebenskompetenzen, um ein selbstbestimmtes, erfolgreiches und zufriedenes Leben führen zu können.

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Mag. Sieglind Gabriel

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